Autor: Rainer Karow (R) (Entstehungswerk / Scheibchenweise Anno 2008 - )
Verleger, Carrikaturisten, Bandgestalter und Berufene, melden sich bitte: siehe bei: wir sind`s

Vorwort


Mit großer Dankbarkeit und in „memory“ ist dieses Werk Annelise Karow und Gerhard Bendix gewidmet, die in uneigennütziger Aufopferung unter Hintenanstellung, gegen den Rat der Verwandtschaft, Ihr eigenes Leben eingeschränkt haben. So konnte der Autor und seine Familie, und hier sei auch Dank an seine liebe Frau, Gabriele Todzi-Karow einmal erwähnt, die über Jahre ihm den Rücken frei gehalten hat, überleben und das große Werk einer deutschen Lebenszelle, entstehen.

Denn:
ich weiß nicht, ob Sie es schon wussten, aber, sagen wir es einmal so, die Deutschen sind ja schon sehr alt. Eigentlich. Und die Ahnenforschung bietet da ganz tolle Dinge. Und die Genenforschung erst. Also, bis hin zu Denen da. Na, die da auf den Bäumen. Oder war es die Savanne? Na, die da eigentlich gar nicht sind….. ? Vielleicht erinnern Sie sich.
Und ob sie nun von den Römern zu Barbaren der Germanen gemacht wurden, oder die Römer die Barbaren für die Germanen waren, es gab gar keine Germanenbarbaren Denn das ist ja wieder nur so eine geografische Bezeichnung von der vermeintlichen Zivilisation für die Gebiete, die Ihnen nicht gehörten.
Ja, schon die Römer sind mit dem Versuch, Lebensraum im Osten zu suchen, gescheitert. Der Nachkomme des Berlowinger ja auch. Na, und der Germane aus dem Schuhplattlerland erst. Hollallidoi….
Also, die Entwicklung einer Deutschen Lebenszelle soll hier am Lebensbeispiel von Germa Deutsch und Aldo Teutonus exemplarisch beschreiben werden. Zum besseren Eigenverständnis eines wohl doch jungen Volkes, das immer noch auf der Suche nach sich selbst zu sein scheint.

PS:
Sollte Jemand Annelise Karow und Gerhard Bendix nach Lektüre dieses Werkes bestrafen wollen, so seien Sie beruhigt. Der Standort des Hünengrabes wird nicht preisgegeben. Es soll in 10.000 Jahren als Kultstätte des Gottes „Lesbarbara“ gefunden werden können. Mit all seinen Kultbeigaben. (Köpfe von Alfed E. Neumann, Alfine E. Neufrau, Marchttante, eine Geige, einen Baß, Noten, Plastikzimbeln für Salatwaschungen uvm)



Eine neue Geschichte der Deutschen.


Untertitel:
Der Verlust der Unschuld der Germa Deutsch. Vom Niedergang und Aufstieg einer neuen deutschen Art.


Kapitel 1

Das schwache Licht beleuchtette seine gekrümmte Haltung und ließ sein hageres, eingefallenes Gesicht, seinen herben Bart, seine leicht vorstechende Nase, seine tief liegenden Augen über denen sich zottelige Augenbraunen hervorhoben, nur schemenhaft erkennen. Die Stirn verschwand bereits im Dunkel einer Kapuzenartig anmutenden Mönchskutte, die über das Haupt verhüllend geworfen sich in einem dunklen verschlissenen Gehrock verlängerte.
Mit schlurfenden Schritten, die Funzel an einem beschnitzten, leicht gedrehtem und mit Wurzelknollen ausgebuchteten Stocke, vor sich herpendelnd, zog der Alte seine Runden durch Gasse zu Gasse. Hier und da raschelte es furchtsam an dieser oder jener Hauskante einer ärmlichen Gasse und Ratten huschten vor seinen Füßen fast unerschrocken zur Seite und machten ehrerbietigen Platz. Aus unbestimmbarer Richtung klang ein Gejohle und Gelächter herüber und verstummte mit einem leichten Knall einer zuschlagenden Tür. Aus der Rückfront der Gasse hörte man schwach ein Kind jammern. Unbeiirt zog der Alte seinen Weg durch die Gassen und alle halbe Stunde rief er in kaum verständlicher Weise: „hört Ihr Leut, die Uhr ist halbe neun Glockn“ oder die dazugehörige Zeit.

Langsam wurde das pendelnde Licht und die schlurfenden Schritte des alten schwächer und dann verschwand es wie verschluckt um eine Straßenbiegung. Er war wohl abgebogen. Die Spenglergasse, der der Alte soeben durchzog, lag nun wieder in Dunkelheit getaucht. Nur hier und dort sah man in nicht feststellbarer Höhe wie Irrlichter, ein schwaches aufleuchten eines Kerzenscheines, das die Geschehnisse dahinter verbarg.

Die Gassen der ganzen Stadt lagen unfreundlich in Dunkel gehüllt und man roch nur Ihre ranzigen Ausdunstungen, die an Urin, Schweiß und Abfälle jeglicher Art, die selbst die Schweine verschmähen, erinnerten. Die Gassen, die Stadt, ja das ganze Land strahlten Armut, Niedergang und Elend aus. Es war kalt und naß und obwohl es noch nicht einmal Herbst war, fühlte man den nahenden Winter. Die Ernte war wieder einmal missraten, die Menschen im Land und in der Stadt hatten nicht genug zu essen, der Handel stagnierte, kaum ein ehrbares Handwerk hatte noch ausreichend zu tun und die Menschen beäugten sich misstrauisch, wer nun wohl wen ob seiner letzten Habe bestehlen könnte.

Im nahen Zentrum, in deren Mitte wie ein Bollwerk bedrohlich, schwer und erdrückend, die zu große Kirche für eine kleine Stadt trohnte, mit Ihren Zinnen, Turm, den alles übertönenden und überragenden Glocken, die zum Gebet gemahnten, erscholl ein letzter Orgelschall an diesem düsteren Abend. Im Innern brannten wie Irrlichter wackelnd und blinkend, ein paar fast runtergebrannte, dicke Kerzen, der Flamme im Docht, sich tief eingebrannt nach Sauerstoff lechzend, um den letzten Schein bemüht.

Der ehrwürdige Kirchendiener, ein in seiner bräunlichen Kutte etwas dicklich geratener und nicht mehr ganz frischer, jedoch mit Gott verheirateter und dem Zölibat eingeschworener, Diener seines Glaubens, war in der hinteren Kammer, glich neben der Sakristei in dem Vorbereitungsraum für die Meißdiener, damit beschäftigt, sich dem holden Knaben in der Spätdienstvorbereitung, hilfreich zur Seite zu stehen. Nach Schweiß riechend und mit beruhigendem Gegrunze machte er sich an dem verängstigten Knaben und seiner unschuldigen, blassen und pfirsichsanften Haut zu schaffen. Seine wabbeligen, schwitzenden und feuchten Hände fuhren dem Knaben unter das Vorgewandt und zwischen seine Schenkel. Gleichzeitig presste er die Hand des Knabens in sein eigenes göttliches zölibitäres Geschmeiß seiner eigenen Wullüstigkeit, Gott anrufend und Psalmen zelibrierend.

Der Knabe wagte sich nicht zu rühren noch zu wehren ob der Psalmenbekundungen des Ehrwürdigen, der göttliche Strafe gebot, sollte der Knabe sich erwidern und göttliche Zeungis ob der Freveltat bekunden wollen. Denn er sei Werkzeug Gottes und Du, Du Knabe, sein willfähirger Diener, da nur so sich dir der göttlichen Weg sich öffne. Da half das ganze Gewimmer und Gebete des Knaben um Gnade und Ablaß nichts. Das Zölibat des starken Glaubens forderte sein Recht des schwachen menschlichen Fleisches und Begierde nach Frischfleisch.


Kapitel 2

Es roch nach alten Schinken, nach billiger Kohlsuppe mit Rübenmus. Es lag Rauch in der Luft und ein vor sich hinglimmender Kamin ließ beißenden, blauen Qualm aufsteigen der sich unter die rußige, schwere dunkel Decke des Kneipenraume, klebte. Die zugeknallte Tür hielt nun wieder den Schwall und das Gejohle einer Gruppe von sich dem Met und roten Wein hingebenden Gästen, den Gassen draußen fern. Der Wirt mit seiner Knollennase und seinem Doppelkinn, einer Lederschürze vor seinen Wanst gebunden, blickte mit falscher Anteilnahme seiner glänzenden Wangen, die wie seine Knollennase mit roten Blutäderchen durchzogen waren, aus schmalen Augen über den aus schweren Holzbalken zusammengeführten Thresen, hervor. Wie heimlich schleichend, begab sich unbemerkt sein Bruder, nicht viel anders geformt wie er selbst, in den nur durch die schwache Helligkeit des Wirtsraumes beschienen Treppentrackt, um sich in den ersten Stock und in die Privaträume des Wirtes aus dem Schankraum zu begeben, da dort lieblich im Verborgenen, die nun fast flügge gewordene Tochter der bei Ihrer Geburt verstorbenen Mutter und Frau des Schankwirtes, der so lange ersehnten Erweckung zur Frau, wartete. Lange schon hatte er beobachten können, wie die Tochter des Wirtes in ihrer ungestörten Fröhlichkeit zwischen all den Männern der Schankstube herumtollte und heranwuchs, sich nichts dabei denkend und nichts anderes gewohnt. Die Männer, immer dem Mädel freundlich und aufmerksam begegnend, kannten nichts anderes, als das eben dort die kleine Tochter des Wirtes heranwuchs und es viel nicht auf, das die Jahre verstrichen und das fröhliche, unschuldige kleine Mädel von vor ein paar Jahren, eben die Jahre des Wachtstums, mit sich trug. Nur der Bruder, der dem Wirt zur Seite stand und eigentlich ein ungewolltes Mitglied der Familie wurde und sich sein Leben in der Kneipe an der Seite des Bruders verdingte, konnte nicht umhin, die heranwachsende Frucht der Unbescholtenheit weiblicher Helligkeit der Stimme, des Lachens, des Trällerns und der Lebensfrohheit und Unschuld, unter all den Gesellen der Kneipe, zu bemerken. Denn mangels sonstiger weiblicher Hand in der Männerwirtschaft und seiner Verdingtheit dem Bruder gegenüber, schlich sich über die Jahre das Gefühl von Neid und Begehrlichkeit in sein Gemüt. Eine Begehrlichkeit, den Thresen zu beherrschen, die Getränke zu bestimmen, die Gäste zu wählen, den Zoll zu belegen und Herr zu sein. All das blieb ihm verwehret. Nur die heimliche, aus dem Augenwinkel zu beobachtende Junffräulichkeit, die vor seiner Nase heranwuchs, sollte sein Ausgleich und sein Preis werden.
So schlich er sich nun mit dem Anschein schwerer Last und Arbeit in den hintern Teil der im Dunkeln liegenden Gaststube zur Treppe hin, und schlich sich unverhohlen hinauf. Es zog ihn förmlich, Stufe um Stufe kämpfend, magnetisch und magisch steuernd, seine Sinne schwindend und überlagernd durch die Vorstellung, endlich zu ergeben sich dem Drange. Dem Drange, der ihn seit Jahren wachsend, beschäftigte und immer stärker wurde. So stark, das er allein wenn er das Mädel von weitem hörte, in Ihrer Nähe war, Ihr glockenhelle Stimme vernahm, ihr Lachen, ihr Strahlen, ihre unbeschwerte Fröhlichkeit oder Sie sah, er sich nicht mehr im Griff hatte. Da schnappte er schon mal nach Luft, verfiel in stoßartige Kurzatmigkeit, bekam feuchte Hände und seine Augen tränten salzig, so daß er seine Speckärmel durch sein Gesicht zog, um die Augen zu trocknen und die eigene Sicht wieder der Klarheit zuzuführen. Nun sollte es für ihn soweit sein. Die lange Zeit des Wartens sollte ein Ende nehmen. Er wusste, daß es heute der Tag war, da sie einmal die Woche, sich mit heißem Wasser wusch. Wie oft hatte er verstohlen durch den Spalt in der Tür geschaut, wenn sie sich, nur vom Kerzenschein beschienen, ihren schlanken Körper, der sich umrisshaft aus dem Dunkel hervorhob, wusch. Sich bückte, Ihre Beine wechseln hob und auf einen Schemel stütze, um sich im Gesäß, den Schenkeln und dem Schritt, der Reinlichkeit warmen Wassers hinzugeben. Nichts ahnend, was Sie sich und den Bruder bedeuten würde. Nichts ahnend, wozu der Unterschied zwischen Mädel und Knaben, zwischen Mann und Frau, bestehen könnte. Auch wenn die ersten Anzeichen der Zeit von reinen und unreinen Tagen, ihre ersten Andeutungen nahmen. Im Beichtstuhl hatte sie gesessen und ihre Unsicherheit vor Gott kundgetan. Ein tiefes Atemholen war aus der Dunkelkabine des Beichtvaters zu hören. So als ob sie nun der Sünde gefährdet sei. Und der Vater gebot ihr, sich zu reinigen und zu beten und sich von der Sünde und den Männern fern zu halten. Und ob es nicht besser sei, sie würde die Gaststube durch ein Kloster ersetzen. Und ob Sie nicht einmal mit der Priorin oder Schwester der Pfarrei sprechen wolle, da Sie nun langsam zur Frau heranreife und andere Aufgaben bekäme, als ein unerschrockenes Mädel zwischen Männern in der Gaststube herumzutollen. Aber verstanden hat sie nichts. Und der Beichtvater verschwand eiligst ein seine heiligen Privaträume des großen schweren Kirchenschiffes, um seiner Aufregung und Aufgewühltheit unter ständiger Bekreuzigung seiner Brust und seiner Stirn, Herr zu werden.

Er hatte sich das seit langem ausgemalt. Seit langem darum gegrübelt. Wie stelle er es an. Wie kommt er ohne Argwohn in Ihr Zimmer. Was sagt er und unter welchem Vorwand tritt er dort ein. Er hatte nun also einen Handbottich voll warmen Wasser, das er fast stöhnend und mit stockendem Atem, die Treppe hinaufhob, in seinen speckigen Armen und feuchten Händen geschlungen und vor seinem zu groß geratenen Metbauch abstützend, zum Ziele genommen. Heute konnte und wollte er seiner Sehnsucht und Gier, von dem Töchterchen seines Bruders Besitz zu ergreifen und endlich über sich und seien Bruder zu triumphieren, nicht mehr wiederstehen. Er wollte nachgeben. Sich nachgeben. In seiner unstillbaren Sehnsucht der jungfräulichen Körperheit dieses zarten, frischen weiblichen Körpers und ihrer unbefleckten Unschuld und Tiefe des Mittelpunktes der Begehrlichkeit einer unberührten Weiblichkeit des Zentrums menschlich männlicher Begierde, hingeben und eintauchen. Sich verlieren und erheben. Verlieren und erheben über alle Normen, Zwänge, Erniedrigungen eigener Erfahrung, sich dem Gebot widersetzen, das ihn so lange eingezwängt hat. Dem Gebot der Sünde widerstehen und sich frei machen. Einmal frei machen für einen Augenblick der Befreiung aus allem, jahrelang aufgebautem Stau. Und sollte der Preis die Höllenfurth sein. Heute und hier wollte er und will er und kann und will nicht mehr zurück. Heute sollte sie sein werden. Heute wollte er in ihr sein. Sie verschlingen, so wie sie ihn verschlingt. Seit Jahren schon. Heute wollte er seiner Schmach, Erniedrigung, seiner Sucht und Sehnsucht, seiner Begierde und Einengung, seinem ganzen Stau unerreichter Erfahrung und Beobachtung, ein finales Ende setzen. Heute wollte er seine Erfüllung finden. Seine Erfüllung in dem Ergehen des Erstlings des Jungfräulichen. In dem Ergehen der Befreiung durch Lust. Der Lust zur Befreiung der Seele, des Öffnens des Ventiles der Höllenqual des Innerstens und des Verlangens. Nach Verlangen dieser Jugend, dieses Kindes, dieses Mädels seines so beneideten Bruders.

Kapitel 3

Am Ende der Stadt, dort wo sich der Weg abbiegend dem Fluß folgend einige Fischerunterstände windschief zwischen Weidenbüschen hervorhoben, hörte man ein leises Wimmern. Erschreckt über diese unerwarteten Geräusche, blieb das Mädel stocksteif wie angewurzelt stehen und lauschte in die mit fahlem Mondlicht und immer wieder durch Wolken unterbrochene Lichtschwäche der Nacht, hinein. Dort war es wieder. Instinktiv näherte sich nun das Mädel diesem Geräusch, magisch angezogen zwischen Angst, Fluchttrieb und Sorge größeren Leides als des Eigenen, nachzusehen. Nachzusehen, welch Wimmern dort sei und welch Hilf man gedeihen müsse. Denn tief im Innern war noch etwas. Etwas, das nicht ausgebumst ist. Das übrig blieb ob der widerfahrenen Schmach, des Unglücks und des Unerträglichen. Wie benommen dem Wimmern und Weinen folgend, näherte sie sich der Fischerhütte zwischen den Weidensträuchern, aus der die Töne zu kommen schienen. Und wie von der Wehrkeule des Raubritters getroffen erstarrte sie bei dem Anblick. In der hinteren Ecke zusammengedrückt und in sich gekauert, erblickte sie durch den aufblitzenden schalen Mondenschein den Knaben, das blasse, tränenverschmierte Gesicht, und den stoßweise in sich bebenden Körper.

Vorsichtig sich dem stoßweise weinenden Unglückknaben sich nähernd und dabei Ihren eignen befleckten Körper mit eigenem Tuch krampfhaft haltend und sich dabei bedeckend, blieb sie unsicher vor ihm stehend und schwieg. Schwieg mangels eigenen erfahrenen Ungebill und in Ermangelung der richtigen Frage und eigener Sprachlosigkeit. So lange Zeit verharrend und keiner weiteren Reaktion fähig und dem Fluchtinstinkt nicht mehr mächtig, kam kaum wahrnehmbar die Frage nach dem Geschehen und des Unglückes, das den weinenden Knaben in dieses Versteck führe. Bis hin zum Morgen und den ersten Sonnenstrahlen, die verstohlen über die dem Fluß gegenüberliegenden Bergkämme hervorzuckten, tauschten sich nun die Kinder über ihr erlittenes Unglück aus. Sie kuschelten sich wärmend zusammen um sich zu beschützen und zu trösten. Nie mehr konnten Sie zurück. Nie mehr den Getreuen in die Augen sehen. Nie mehr sich den Bekannten und Vertrauten nähern. Ihre Schande würde sie zu Ausgestoßenen machen. Ihr Leid würde Ihnen auf der Stirn vorher getragen. Sie beschlossen, sich der Armut, der Falschheit der Stadt, der Sünde und dem Missbrauch zu entziehen. Sie beschlossen, sich andere Heimat zu suchen und aufzubrechen in neue Länder.

Der Beginn einer neuen Generation und einer neuen Geschichte, nahmen Ihren Anfang.

Kapitel 4

Hufgetrappe, wildes und ängstliches Gewieher in Panik geratener und schmerzender Pferde, Schreie, klirrendes Eisen, Befehle und Sprachwirrnis schallten aus dem Tal herauf. Herauf auf den Bergkamm, wo sich zwei Kinder, die über Nacht ihre Kindheit und Jugend verloren, hinter einen Felsgestein, der halb durch Haselbüsche mit seinen letzten Blättern bedeckt war, versteckten. Vorsichtig schauten Sie in das Tal um etwas von dem Unerklärlichem, dem Geklirre, dem Hufgetrappe und den Schreien, zu erheischen. Jedoch war nichts zu sehen und die Geschehnisse blieben Ihren suchenden Blicken verborgen. Nur die Geräusche hielten lange Zeit an. Bis Sie urplötzlich, wie sie auftauchten, wieder verstummten. Das laute, rauschende Schweigen des Waldes legte sich wieder über das Tal. So als wäre nie eine Störung dem Kreislauf des Friedens des Waldes widerfahren.

Die Kinder rührten sich nicht. Lange Zeit nicht. Schließlich nahm das Mädel das Wort an sich: „wollen wir jetzt nachschauen oder bis morgen warten?“ Und so, als ob ein Schatten antwortete, flüsterte der Knabe, „ja, bis morgen warten“. Sie krochen rückwärts tiefer in die Büsche hinein und suchten nach Nüssen, die voll in den Büschen zu dieser Jahreszeit ihre sommerliche Frucht dem Begierlichen entgegen streckten. Viele Nüsse fanden Sie und Beeren. Tief schwarz in stacheligen Ranken, aber voller Süße und Reife. Und Pfützen im feuchten Wald fanden sich ausreichend. Immer im Schutze des Dickichts ausharrend, fand sich eine Hohlung im Waldeshang, geschützt durch einen mächtigen Stein vorgelagert. Diese Holung sollte dem Nachtschutz und dem Schlafplatz dienen. Schnell sammelten die Kinder Laub und Reisig, als wärmendes und weiches Lager, brachen Kieferzweig und postierten Sie geschickt als Vorschutz, so als ob eine Türe nun die Holung beschütze. Von Außen hätte wohl jeder Vorbeiziehende, diese Holung und Unterstand zweier Kinder, nicht entdecken können.

Lange und schweigend lagen nun die Kinder, dicht nebeneinander und im Laub eingebettet, da und starrten in die obere Schrägung und auf die leicht gebrochene Schutzvorrichtung aus Kieferzweigen.

„Wie ist Dein Name.“ Kaum wahrnehmbar kam diese Frage des Mädels.
Nach einigem Zögern und Nachdenken antwortete der Knabe: „ ich habe keinen Namen mehr“ Dann, nachsetzend, „und der Deinige?“
Das Mädel schwieg. Nach einigen Augenblicken jedoch, dem man das ebenfalls Nachdenkende erfühlte, flüsterte sie zurück: „auch ich habe keinen Namen mehr. Mein christlicher Name ist mir genommen und einen neuen habe ich nicht.“
Das Schweigen umhüllte die Kinder von Neuem.
Waren es Minuten, Stunden, man spürte förmlich die Traurigkeit, die Verlorenheit:
„wollen wir uns gegenseitig beschützen, daß uns Niemals mehr Jemand etwas antun kann und wollen wir zusammen eine neue Heimat suchen?“ Man spürte förmlich, das das Mädel sich mit vielen Gedanken quälte.
Als ob der Knabe nur auf den Anstoß wartete quoll es aus ihm hervor: „niemals wieder soll Dir oder mir Jemand Leid zufügen. Ich schwöre bei den Göttern der Natur, dem einen Gott wenn es ihn dann noch gibt, aber ich schwöre Dir, ich werde groß und stark und ich werde Dich beschützen. Ich werde Dich nie verlassen und es soll Dir Niemals mehr Jemand Böses tun. Lass uns die neue Heimat suchen. Lass uns fernab der Sünde und der bitteren Stadt uns ein neues Leben finden. Und wir wollen Niemals Jemand etwas davon erzählen. Wir werden aber immer den Unrechten begegnen und Ihnen Rache zuteil werden lassen. Und Allen, die mit uns gehen, wollen wir Gerechtigkeit widerfahren lassen und Niemals unterdrücken. Wir werden uns mit Ihnen besprechen und mit Ihnen Teilen. Aber Allen, die uns Leid zufügen wollen, uns bestehlen, unsere Kinder schänden oder der Gemeinschaft lauern, diesen wollen wir keine Gnade gewähren.“

Wie ein Stoßgebet aufgestauter Gedanken preschten die Worte aus dem Knaben heraus, um danach wieder Stille einkehren zu lassen.
„Ja“ flüsterte das Mädel nach einiger Zeit.
Dann: „da wir keine Namen mehr haben. Geben wir uns neue Namen.“
Wieder kehrte lautes Schweigen des Nachdenkens ein um nach geraumer Weile der Unterbrechung das Mädel erneut zu vernehmen: „ Germa.“ – „Germa Deutsch“
Der Knabe schwieg. Nur die Geräusche des Waldes wechselten langsam von Tag zu Nachtgeräuschen. Das Vogelgezwitscher löste sich in nichts auf. Das Rauschen des Windes und der Blätter des Waldes erlagen einer trügerischen Ruhe der Nachteinkehr. An die Stelle trat ab und zu der Ruf eines Käuzchens oder einer Eule. Im Laub raschelte es hin und wieder. In diese neue laute Stille das Mädel: „Germa - nun, weil wir eben die Wilden sind. Und die Römer nennen uns doch so. Und Deutsch?“ Wie zu sich selbst. „nun, weil wir eben hier die deutschen Stämme sind. Und eigentlich weiß ich gar nicht, wozu ich gehöre“ Wieder verfielen die Kinder in tiefes, nachdenkliches Schweigen.
„Ja“, vernahm man langsam den Knaben wie sinnierend seiner eigenen Worte lauschend. „Ja – das ist ein guter Name. Ich denke, ich möchte Aldo Teutonus heißen.“ Wieder schweigen, um kurz danach weiterzufahren: „ Aldine hieß meine Großmutter. Und mein deutscher Stamm heißt glaube ich Teutone“.
„Gut“ hörte man das Mädel, wollen wir fortan heißen „Germa Deutsch und Aldo Teutonus“
Aus ihrer Stimme schwang ein neuer Unterton, der Eigenwill, Trotz, Hoffnung und neuem Lebensmut und Entschlossenheit, anklingen ließ. Ihre Blicke verloren sich in die Ferne und so deckte sich die Nacht über die Kinder, die nun keine mehr waren. Friedlicher Schlaf und Zuversicht gewährte ihnen sanfte, süßen Ruhe und Abschiedsträume der Kindheit umschlangen sie.


Kapitell 5

Das Geschehen des gestrigen Tages lag am Grunde des nun alles bedeckenden Nebelsees, der das ganze Tal überzog. Von dem Bergkamme, wo Germa Deutsch und Aldo Teutonus sich die Nacht in ihrem Hohlhangversteck hinter dem Schutz von Kiefernzweigen gebettet hatte, konnte man über das Tal hinsehen, Wie versunken in gestautem See und aufgeschwemmtem Tale, ragten einige Tannenwipfel aus dem weißen Meere hervor.

In diese weiße Meeresunterwelt machten sich die beiden Kinder jetzt auf den Weg zu schauen, was dort passiert sei und was sie für sich dort finden könnten. Denn Sie benötigten dringend neue Kleidung, Werkzeug und Waffen um sich für den Weg, der vor ihnen lag, zu wappnen und zu rüsten. Für all die Abenteuer, die sie noch bestehen sollten.

Denn Germa Deutsch war hin und her gerissen und aufgewühlt wie ihr noch nie geschehen. Sie war ganz benommen von der Nacht und Träumen und Bilder, die sie bruchstückhaft und verschwommen in Ihrem Kopfe sah. Von Dingen, die es nicht gab und Geschehnissen, die nicht sein konnten. So blitze ein Dorf vor ihr auf, wo sie als große Führerin dem Dorfe vorstand in einem unbekannten Land, daß sie sich zur Heimat nahm. In einem Land, das Sie sich nach dem Wenden und Rückenkehre ihrer der vergangenen Kindheit hinterlassenen Lassenschaft, nun langsam zuwenden sollte. So als wachse in Ihrem Kopfe ein vorausschauendes Geschehen von Zeiten, die es für Sie noch nicht gab. Sollte es etwa stimmen, wie die Alten in Ihren Kneipengeschichten tuschelten? Sollte es da Mächte und Kräfte geben, die die Vergangenheit heraufholten aus dem Zeitenfluss, ihr Dinge offenbaren die gewesen, die ihr heute bestimmen und Ihr Weitsicht des Kommenden vermitteln? Ihr schauderte ob dieser Eindrücke und sie war ganz verwirrt des morgendlichen Bewustwerdens eines tiefen, aufwühlenden, dennoch beruhigenden und Stärke vermittelnden Schlafes. So als wache eine unbekannte Kraft und ein schützendes Auge über sie. Sollte sie etwas die Gabe der alten, im Dunkel von Sagen und Geschichten beschriebenen Seher innehaben? Sie schüttelte kurz ihren blonden Wuschelkopf der sich wallenden über ihren Rücken ausbreitenden Haare, die sich nun langsam aus dem auflösenden Knoten besserer Tage, in voller Pracht sich zu zeigen begannen.


Kapitel 6

Der erste Morgenhauch versponnener Morgenröte schälte sich über den gegenüberliegenden Bergkamm, in dessen Mitte das stille, friedliche, noch gestern voller Kampeslärm hallende Tal, zu schlafen schien. Dann, wie aus Lichtkanonen abgeschossen, ergoß sich einem Laserstrahl gleich, der ersten gezielte Sonnenstrahl zwischen den noch dunkelblau stehenden Tannenwipfeln gen Himmel zielend und die Schäfchenwolken aus Ihrem Schlafe erweckend, reflektierend in das Tal zurück. Einem Wildbach gleich, verbreiterte sich der Strahl und ergoß sich durch die Tannen- und Baumwipfel hinein in das nun sich regende Tal und ließ den über dem Tal liegenden Nebel in gleißendes weiß eintauchen. So, als wolle er das Tal und die Geschehnisse des Vortages, nicht freigeben und für immer im Vergessen der Geschichte belassen.

Einem Weckruf gleich hämmerte die erste Amsel Ihren Revierruf in den Morgen hinaus um wie aus tausend Kehlen Ihrer und anderer Arten Antwort zu finden. Von einem auf den anderen Schlag erwachte der Wald und das Tal in das Geschrei eines Marktplatzes der Vogelkehlen. Dieser ungeordnete Lärm von Betriebsamkeit weckte nun auch Germa und Aldo aus ihren halbwachen Träumen und zurrte Sie in das morgendliche Geschehen mitten hinein.

Sich reckend mit leichten Schütteln und tief durchatmend, klaubten sie sich aus Ihrem Unterstand, hinein in die morgendliche Helligkeit und frische der Bergluft. „Laß uns sehen, ob wir etwas Wasser finden“ noch leicht flüsternd, so als ob der Vogelmarkt sonst Störung erfahren würde, hauchte Germa Aldo den Kopf zuneigend, in Richtung seines Ohres. „Ja“, gab Aldo ebenso vorsichtig zurück und betrat den lichten Berghang, der ihm nun den vollen Blick über das Tal gewährte. Sein Blick schweifte nun über eine völlig unschuldige und vermeintlich unberührte Natur, in deren Mitte die Tiefe des Tales im immer noch durch die morgendlichen Strahlen der Sonne gleißenden Nebel, verborgen lag. Leicht abschüssig, fast terassenartigen Stufen folgend, glitzerte durch das tiefe Gras ein wenig Gewässer auf. „Dort. Dort scheint ein kleiner Tümpel zu sein“ Aldo wies Germa die rechte Hand ausstreckend, in die Richtung zu sehen, wo er das Glitzern entdeckt hatte. „Laß uns dort hingehen. Dort scheint Wasser zu sein, wo wir uns erfrischen können und mal sehen, ob sich dort etwas trinken lässet“

Voll morgendlichen Tatendrang und der Aussicht auf die „kühle herbe Frische“ des jever erinnerlichen der heimatlichen Gasstätte, eilten nun Germa und Aldo zum Tümpel hinab. An den Ufern nun angekommen, öffnete sich die weite Sehnsucht des Fernen über die unbekannten Ufer der Unendlichkeit ferner Welten hinter unbekannten Horizonten, sich aus dem Wasser des Tümpel neigend, sich das nahe Ufer, einen Steinwurf entfernt, zurückholend in die Wirklichkeit des Seins. Sauber, flach mit steinigem Untergrund, und klar wie ein Kristall, lud das Wasser erst zum stillen des morgendlichen Durstes ein, um danach die beiden kindlichen Körper mit der Tauffrische heiliger Berührung unbefleckter Empfängnis, zu netzen. So erfrischt und gestärkt ergriff erneut Germa die Initiative des Wortes: „laß uns sehen, was uns der Kampfeslärm von Gestern an brauchbaren Schätzen hinterlassen hat“ „Ja“, erwiderte Aldo „aber laß uns vorsichtig sein und uns lieber erst einmal heranschleichen. Wer weiß wer überlebt hat und uns angreifen könnte“

Kapitel 7:

Chämenhaft durch den sich lichtenden Nebel erwuchsen Baumstämme zur mürrischen, mächtigen Monstern, die sich wehrhaft Germa Deutsch und Aldo Teutonus, entgegentrutzen zu scheinen wollen. Hier und da funkelte blinkendes Erz verlorener Schwerter und Schilde zwischen Gras, Unterholz und Jungbewuchs. Man stolperte immer wieder über Harnische und Helme, Standarten ehrfurchtsvoller Truppenteile vergangener römischer Glorie, die hier im Wald des Tales Ihre Macht über die Länder verloren haben, und hin und wieder entdeckte man zwischen den mürrischen Monstern stehend, tierartige Gebilde, die irgendwie vergessen sind.

Germa und Aldo schlichen sich nun vorsichtig, auf jeden Knacks des Trittes achtend, sich dieser unwirklichen Kulisse näher. Schweigend, sich jedoch mit den Blicken verständigend, harrten Sie so eine Weile. Erst als Sie sich sicher waren, daß dort Niemand lauerte der zur Gefahr werden konnte und sich der Nebel zunehmend hob, erkannten Sie die Ausmaße des Lärmes des Vortages. Überall lagen Laichen. Laichen von Kriegern der römischen Garden wie Laichen der eingeborenen Stämme. Und zwischen den nun vollen Baumstämmen, die hoch in den Himmel sich reckten und Ihr Blätterdach über das Geschehen ausbreitete, damit Niemand es entdecke, standen vereinzelt Pferde in vollem Zeug wartend, das man sie abhole oder der Reiter wieder zurückkehre, um sich im stolzen Trab, auf`s Neue ins Getümmel zu begeben.

„Welch wundervolle Begebenheit“ Germa entwichen seufzerhaft voller Staunen und glücklicher Bewunderung des Umstandes, diese Worte. „Welch wundervolle Begebenheit. Aldo, laß uns Kleider suchen, uns bekleiden, Waffen einsammeln und Pferde nehmen. Hier ist unser Tischlein-Deckdich. Der Gott, der uns noch vor ein paar Tagen im Stiche gelassen, hat uns nun reichlich Schuld zu zahlen gewollt.“ Ihr Unglück der letzten Tage fast vergessend, erstrahlte Ihr Gesicht und es klomm große Hoffnung in ihr auf. „Ja.“ und nach einer Gedenkatempause noch einmal. „ja.“ Auch aus Aldo schwoll es nun heraus. „Ja. Und wir sammeln ein, war wir tragen können. Und der Pferde laß uns soviel nehmen, wie wir führen können. Wer weiß, wozu wir diese noch brauchen. Wir können sie tauschen. Vielleicht treffen wir noch Leute, die ebenfalls neue Heimat suchen. Wir benötigen Lasttiere und Ausrüstung. Hier haben wir alles, was wir benötigen.“ Und wie von Sinnen und einem Spiel des Berges gleich: „wir werden Leben. Wir werden überleben“
„Hm, murmelte Germa in sich hinein. Irgendwie kommt mir das bekannt vor“ und sie erinnerte sich an Ihren Traum des Nachts, wo sie Bilder gleich Szenen sah von Ungeheuern aus dem Himmel, die sich spukhaft mit lärmenden Vögeln mit strahlendem Hintern gleich, ein Stelldichein gaben, ohne das Geschehen jedoch zu verstehen.

Urplötzlich und wie versteinert angewurzelt und fast zur Salzsäule erstarrt, verharrten ihre Bewegungen und sie hielten den Atem an aus Angst, er könnte sie verraten. Mit dem Wald und den Monsterstämmen verwachsend, hörten sie angestrengt in die sie umgebenden Geräusche des lärmenden Waldes und seines Marktplatzgezwitschers. Langsam und kaum wahrnehmbar, jedoch die siebenten Sinne schärfend, vernahm man ein leises Stöhnen aus unbestimmbarer Richtung. Jedoch nah und deutlich genug, daß Gefahr angesagt war, ließ sich das Stöhnen orten. Langsam, Schritt für Schritt sich näher tastend, führte das leichte Stöhnen sie zu einem in sich kauernden, uralten Soldaten, der angelehnt sitzend an einer übermächtigen Eiche, die wohl ihre fünfhundert Jahre Erleben erzählen könnte, führte. Aldo, der längst sich ein schönes, sauberes Schwert zu Eigen nahm sowie ein sauberes und unverbeultes, unbeschädigtes Schild sich zum Schutze um seinen linken Arm führend, vor sich hin hielt, streckte in seiner Rechten noch nicht kräftig ausgebildeten Hand und Arm, das ach so schöne Schwert, zum Angriff zielend, sich dem greisen Soldaten, nähernd. Bei seinem ganzen Anblicke jedoch ließ er das Schwert und seine stolze Angriffspose sinken und es überkam ihm das Bedürfnis, diesem Alten zu helfen. Denn der Alte, den stolzen, glänzenden Helm schief verschoben in seiner Stirne haftend, hielt sich mit der einen Hand an einer in seinem Wanst steckenden Lanze fest und mit der anderen Hand, schlaff von sich weisend, ein langes, ungewöhnlich glänzendes, reich verziertes und mit goldenen Griffeinfassungen, versehenes Schwert. Seine ganze Bekleidung der stolzen Kriegerrüstung, ließ auf einen hohen Rang schließen. Sein weißer Bart, dem eines Rosses gleich, barbaroßte ihn zur ehrfürchtigen Erscheinung längst vergangener Zeiten.
„Kommet her zu mir“, ließ er sich jetzt mit schwacher Stimme vernehmen. „kommet her. Höret mich an und fürchtet Euch nicht. Denn ich will bei Euch sein alle Tage.“ Dieser merkwürdigen Worte lauschend, fragte Germa Ihren ungeweckten Mutterinstinkten folgend sogleich, welch Hilfe Sie diesem ehrwürdigen Alten angedeihen lassen könne.
„Nein, nein“ sagte der Alte um nach kurzer Zeit des Einhaltens vor Anstrengung fortzufahren: „ meine Tage sind gezählt. Wir sind überfallen worden von den barbarischen Germanen oder was für ein Volk deucht sich hier so umtreiben mag. Dennoch haben wir uns wacker geschlagen. Mit den letzten Rittern die mir treu verblieben, die an meiner Tafel rumaßen. Setzet Euch zu mir und höret meine Geschichte“

Kapitel 8:

Germa Deutsch und Aldo Teutonus ließen sich in das weiche Laub neben den in so stolzer Rüstung befindlichen, dem Tode geweihten Alten, nieder, um sich seine Geschichte anzuhören.

„mein Name ist Zenturius Artos. Meine besten Tage sind lange vorbei. Meine ruhmreichen Siege für Rom ebenfalls und ich war auf dem Wege aus dem fernen, feuchten Britanium in meine Altersresidenz am Mare Adrium, so unterhalb eines Splits, wo es für meine zitternden morschen Knochen noch einmal wohl gereichen sollte. Dort möge ich zur Ruhe geführt werden und in einer fernen Kapelle einer fernen Zeit mein Grabesstein zur Mauer gebraucht, um späteren Generationen ein Rätsel zu werden.“

Solch wirre Rede führend, fuhr der Alte Artos fort, sein Leben Germa Deutsch und Aldo Teutonus, anzuvertrauen, damit Sie Zeugnis einer glorreichen Zeit ablegen könnten und späteren Kriegern und Suchenden der Geschichten aus vergangenen Tagen, Zeugnis und Andenken liefern könnten und seiner Bitte entsprächen, wenn nicht sein verderblichen Laib, so doch sein Schwert, sein wertvolles Schwert, daß Niemand in die Hand bekommen dürfe denn sein Bewahrer, zu seiner vorbereiteten Ruhestätte unterhalb der erwachsenen Kapelle nebst Split, zu verbringen und dort zu sichern.

„so höret“ und Artos fuhr mit seiner Geschichte fort.
„Einst, vor vielen Jahrzehnten, als ich ein großer Heerführer an der östlichen Flanke der zivilisierten Welt war um Rom vor den Sarmaten zu schützen suchte, lernte ich seltsame Riten und Gebräuche, wie auch seltene Reiter kennen. Es waren wilde Stämme, die Niemanden fürchteten, die Niemand besiegen konnte und die wie eine Horde wilder Stiere ritten und zusammen hielten und unbezwingbar galten. Ihre Führer galten als Treue, berittene Vasallen einer eingeschworenen berittenen Gemeinde von Reitern, die die Ehre und Treue auf Ihre Fahnen geschrieben hatten, jedoch auf Ihren einigenden König warteten. Dieses seit vielen ungezählten Jahren. Denn nur der, der das keltene Erdschwert bezwingen könne, wäre ihr wahrer König, den Sie Treue bis in den Tod sich verpflichteten, zu halten. Da sich jedoch Niemand fand, weder Knappe, Knecht, Magd, Jungfrau, noch edler Ritter, der es vermochte, den keltenen Erdgriff, den die Schneide umschloß, zu bezwingen, war so allerlei Ungemach unter den Stämmen und keine rechte Gefahr für Rom. Denn Ihre Burgfräuleins mit Ihrem Brauch dem Freund die Scheide und Ihren Burgrittern dem Feind die Schneide, hatten wohl mehr Freude der Freunde der Scheide, denn Ihre Burgritter Feinde als Feinde zu Feinde. Und so gelang es mir im Saft meiner Jugend und in der Höhe meiner Kraft, der Brauch des Freundes der Scheide folgend, mitten im Zentrum der Sarmaten zu stehen und das Schwert in der keltenen Erde zu finden. Ja, förmlich darüber zu stolpern. Übermütig, wie ich dort so unter scheidenden Freuden der Freude und des römischen Roten aus Umbrien nun war, stütze ich mich auf des Schwert um nicht zu stolpern und zog es in der Drehung der schwankenden Wirkung freudiger Freude und des Übermaßes mich umgebender Scheiden, im stürmischen römischen Siegestaumel des Roten aus Umbirien, heraus.

Das alles übertönende Gekiecher jungfräulicher Scheiden, Mägde, Fräuleins und einiger männlicher begeleitender Barden und Minnegesänger, die die Stimmung beflügeln sollten, erstarrten wie vom Blitz gerührt. Die Luft erzitterte förmlich und gebar zur flimmernden Gefrorenheit des Augenblickes. Um im gleichen Augenblick wie aus einer Lunge zischend einziehend im Aufgebraus des Lungensoges einer Urkraft von tausend Turbossen gleich, alles zur gleichen Zeit Luft sogend und sich wie gen Mekka die Hände über den Kopfe, sich nieder werfend, vor meinen Füßen liegend, raunend riefen: es lebe der König, es lebe der König.

Noch vom Rausch des Roten aus Umbrien genährt und getrübt, verstand ich nicht, was um mich herum geschah. Wild fuchtelnd hielt ich das Schwert in der Hand, das soeben noch in der keltenen Erde stach um mir halt zu bieten. Ich wusste nicht, wogegen und gegen wen ich mich dort gestikulierend verteidigte und welches Luftgefecht ich dort austrug, noch verstand ich, welch König denn nun leben solle und wo er stehe. Als mir die Sinne zu nebelig wurden und ich Niemand entdecken konnte, der mir irgendwie nahe kam noch daß die Mägde und Brüder der Feierlichkeiten sich mir wieder zeigten, jedoch an Stelle vor mir lauter wurmartige Schatten im Sande so lagen, beruhigten sich meine Bewegungen und ich begann, wenn noch nicht so ganz gerade, doch immerhin, nun, ich begann wieder klarer zu blicken. Und was ich sah, war gar noch merkwürdig und unerklärlicher, als das schon Geschehene.

Die ganze ungezügelte Schar meiner weiblichen Begleitung und Ihrer männlichen Musizierer, verharrten wie umgehauen und erstarrt in kauernder Haltung vor mir und all die Lust der Lust war verflogen. An die Stelle trat ein einziger Aufschrei des Vorsängers, der plötzlich aufstand und wie von Teranteln gestochen zum Zelt des Stammesführers, wild mit seinen armen rudernd, zulief und sirenenartig, einen Alarmton ausstieß, den ich nicht verstand. Jedoch eine Wirkung zeigt, die mich zutiefst verblüffte. Der Stammesfürst und viele seiner Gesellen traten wie gleichzeitig aus Ihren Zelten und schritten langsam und bedächtig, ihre Arme vor der Brust verhalten und gekreuzt, mit ruhigen festen Schritten auf mich und das in meiner Hand befindliche Schwert, zu. Sie bildeten einen Kreis um mich herum und ich glaubte, nun sei es um mich geschehen. Aber nein. Zu meinem noch größeren Erstaunen bildeten die führenden Männer der Sarmaten einen Kreis um mich, zogen Ihre Schwerter, verbeugten sich vor mir und riefen mich zu Ihrem König aus. Sie schwörten mir ewige Treue und gelobten mir, mich zu schützen, zu beschützen und mir überall hin zu folgen, wo ich Sie benötige und Sie beugten sich freiwillig unter meinen Willen und meinem Befehl. Leider war ich dennoch zu nüchtern, um gleich nach Rom zu maschieren und die Macht zu übernehmen. Mit meinen Rittern wäre ich wohl jetzt unschlagbar.

Dieses Schwert, das ich hier in meiner sterbenden Hand halte, ist das alte ehrwürdige Schwert aus der keltenen Erde der Samarten mit dem Samartennamen „Excalibur“. Das Königsschwert der Stämme der östlichen Steppen, die mit mir nach Britannium zogen, um das römische Reich dort zu begründen und zu schützen, wo sich viele neue Stämme bildeten und heimisch wurden. So die Waliser, die Exesser und viele mehr, die an meiner Runden Tafel ritterten und mit mir das römische Reich bewachten. Die letzten dieser Mohikaner, die mit mir das Alter der Ehrwürdigen erreicht hatten, die letzen Tage im Warmen zu verbringen und den reumatischen Knochen ein wenig Linderung widerfahren zu lassen, waren mit mir hier auf Reise. Und diese letzten Getreuen der runden Tafel ließen nun hier in diesem unwirklichen Walde, für mich ihr Leben.

Deshalb bitte ich Euch, Fremde, bringet das Schwert an die Küste des Mare Adriums in die Wallhalla des Split`s, um dort ewige Ruhe und Vergessenheit zu finden. Denn wer das Schwerte führt und Gerecht ist, wird Macht erhalten über seine getreuen Rittergefährten und sie verlieren, wird er ungerecht. Denn in die keltene Erde der Sarmaten kann das Schwert nicht mehr einkehren, da ein paar Sarmaten in Britanium neue Heimat fanden und die letzen Getreuen mit mir hier verstarben, so wie ich jetzt des Todes bin. So fürchtet Euch also nicht, denn ich bin bei Euch alle Tage und das Schwert soll in die Gruft des Vergessens gelegt werden dann, wenn es keine Treuen mehr gibt, denen es zu dienen vermag.“

Für die letzten Worte beugten sich Germa Deutsch und Aldo Teutonus ganz nah an die Lippen des sterbenden Zenturius Artos, um den letzen Hauch des Klanges der Worte zu erheischen. So verharrten Sie eine kleine Weile, wartend ob noch Worte über seine Lippen kömmen mögen. Aber es blieb stumm.

Ergriffen richteten sich Germa Deutsch und Aldo Teutonus auf und sahen sich in die Augen. Ein tiefes Wissen und Verstehen umschloß sie plötzlich und sie wussten, sie würden den Anfang einer neuen Welt, den Anfang eines neuen Volkes und die Begründer einer neuen Zeit werden. Noch einige Zeit so schweigend und die mentale Kraft des Sterbenden und der toten Zeugen aufnehmend, sitzend, wuchs in Ihnen die sammelnde Kraft der Vorderen, sie in neue Welten zu führen und Ihren Weg zu beginnen. In diesem Wald des Vergessens mit dem Wissen des Bewahrens und mit der Kraft der Geschichte und des Schwertes der Gerechten.